Anthony de Mello und andere 
Gerade eben fragte mich doch meine Frau -- ich legte das wunderbare Buch "warum der Schäfer jedes Wetter liebt" von Anthony de Mello auf die Seite -- ob denn dieser de Mello noch lebe.

Nein, sagt mir Wikipedia, er ist 1987 gestorben. Was Wikipedia mir aber auch sagt, ist, dass die Glaubenskongregation unter Kardinal Ratzinger einige von de Mellos Ansichten als schädlich verurteilt hat.

Nun ist de Mello nicht der einzige Katholik, der wunderbare Bücher schreibt, deren Lektüre mir sehr viel Freude bereitet hat: ein anderer ist der Benediktinermönch Willigis Jäger ("Aufbruch in ein neues Land", "Die Welle ist das Meer", und andere Bücher). Jäger lebt noch, steht aber seit 2002 unter einem Rede-, Schreib- und Auftrittsverbot, erwirkt durch die Glaubenskongregation unter Kardinal Ratzinger.

Ich staune, und frage mich: soll ich mir nun die Liste der Autoren besorgen, die Ratzinger verurteilt? Ich kann mir vorstellen, dass diese Liste ein recht gutes Literaturverzeichnis abgeben würde für Leute wie mich, für die "Gott" nicht ein Wort für einen distanzierten, kontrollierenden und urteilenden Herrscher ist, zu dem nur Kirchenfürsten einen direkten Draht haben, sondern ein Begriff für die grosse Freude und Liebe, die in jedem Menschen stecken und in allem, das lebt, und die jedrezeit hervorbrechen und aufstrahlen können.

So, das sei genug der Kirchenkritik. Ich geh jetzt "Aufbruch in ein neues Land" weiterlesen, ich kann das Buch wärmstens empfehlen!


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Schnee für 50 Rappen 
Bei den Massen von Schnee, die heute vom Himmel fielen, dachte ich zurück an die Winter meiner Kindheit und das unbeschwerte Spielen draussen im Schnee!

Ich habe Schnee immer geliebt. Leider hat unser Haus eine Aussentreppe, welche auch von unseren Nachbarn benutzt wird. So bedeutete Schnee in der Nacht für mich viele Jahre lang schon Schnee schippen müssen am Morgen ... aber diesen Winter nicht mehr, denn mein Neunjähriger Sohn freut sich jedes Mal, wenn ich am Morgen -- es ist noch stockdunkel -- frage: "Willst Du einen 50-Rappen-Job machen?" Antwort: "Jaaaa! Schnee schippen!" und ist schon vor dem Morgenessen draussen. Ich glaube, er würde es auch umsonst tun, so gerne und mit Eifer macht er das, aber mit 50 Rappen ists natürlich noch schöner ...

Und so freue ich mich wieder wie ein Kind -- wie mein Kind -- über jeden Schneefall und tanze auf dem Weg zum Bus über die weichgeschneiten Strassen.

P.S. Wer diesen Eintrag mit dem Text Gleichmut vergleicht, sieht sofort: Freude scheint viel kostengünstiger zu sein als Gleichmut. Liegt vielleicht in der Natur der Sache ...

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Klangwald 
Als ich heute am Morgen unser Baby ins Tragtuch steckte, und am Zeitungsautomaten vorbei den etwas längeren Weg in Richtung Wald einschlug, drehten sich tausend Gedanken und hundert Sorgen in meinem Kopf: die letzte Woche war sehr anstrengend, und ich war überhaupt nicht mehr bei mir selbst.

So ging ich (wirklich ich?) die alte Hauptstrasse hinunter bis zum kleinen steilen Seitenweg in Richtung Wald, den Weg hoch, -- ich musste schnaufen, weil ich zu schnelle, lange Schritte machte -- über die neue Hauptstrasse, und in den Wald.

Zuerst merkte ich nur am Rande des Bewusstseins, dass der Wald diesmal einen ganz besonderen Klang hatte: es war kurz vor zehn, alle Kirchenglocken der Umgebung läuteten, und das Waldtal, durch das ich ging, sammelte diese Klänge und vermischte sie zu etwas Schwebendem, zu etwas, in dem ich die einzelnen Glockenschläge nicht mehr hören konnte, zu etwas ruhig pulsierendem: ich kam mir vor wie im Innern einer riesigen tibetischen Klangschale.

Und ich hörte gut zu, und ging langsamer den steilen Weg hoch, und mit jedem Schritt fielen Sorgen und Gedanken von mir ab, jeder Schritt wurde leichter, ich bekam richtig viel Luft in diesem Klang, und bei alledem war mein Baby ganz ruhig, den Kopf an meine Brust gedrückt, die Augen weit offen.

Gerade als ich oben ankam, verstummten die Kirchenglocken, der Klang erlosch: für einen kurzen Moment war absolut alles still.

...

Und dann zerriss ein feuchtes "Pfllrrrrrrrrr" aus meinem Tragtuch heraus die Stille -- das ist das neue Lieblingsgeräusch meines Babys -- und erweckte mich in eine so ganz andere Welt als jene, aus der heraus ich die Zeitung holen gegangen war.

Ich musste ziemlich laut lachen.

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Der erste Schnee 
kaum aus der Tür heraus sehe ich dass etwas anders ist als sonst ist die welt sonst nicht farbiger heute ist ja alles weiss ich reisse die augen auf

ich blicke aus der wärme heraus plötzlich kühl auf meiner backe eine weisse flocke an meinen augenwimpern sie fällt nicht ab wird kleiner wird wasser und der wind ist kalt

so viel zu sehen es bläst der wind er bläst mir fast die lungen auf ich bin ganz erstaunt und reisse die augen wieder auf und gleich wieder zu wegen des windes er ist so kalt

die wärme macht schläfrig und ich erwache und schon kommt unser haus näher schon wieder wir waren ja gar nicht lange weg und ich werde herausgehoben aufgehoben gehalten gestreichelt hingesetzt

und schaue durch mein gitter ganz gebannt durch das grosse fenster in den weissen garten wo flocken tanzen und tanzen und tanzen und tanzen und tanzen und tanzen und tanzen und


So etwa, stelle ich mir vor, dass ein Baby seinen ersten Schnee erlebt. Warum ich das zu wissen glaube? Weil auch ich, mit dem Baby im Tragtuch, warm an meiner Brust, sein Köpfchen draussen, heute zum zweiten Mal den ersten Schnee meines Lebens sah.


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Tägliche Freude 
Gestern Abend war ich an einem Vortrag über Mystik von Lorenz Marti, den ich gerade eben erst im freude.li Gleichmut erwähnte.

Er sagte sehr viele schöne, schlichte Dinge, welche für mich einfach stimmig waren. Ich gebe es gleich zu: ich höre natürlich gerne jemanden reden, der seine Spiritualität ähnlich lebt, wie ich es versuche. Das gibt so ein warmes, kuschliges Gefühl in der Seele.

Doch ein wirkliches freude.li machte Lorenz Marti mir mit der Bemerkung, dass man an jedem Tag, vielleicht sogar in jeder Situation, etwas finden könne, das Freude macht. Ja!!! Das Konzept von freude.li existiert in der freien Wildbahn!

Und es ist tatsächlich auch so, dass mir jeden Tag etwas einfällt, das ich hier schreiben könnte. Nur mit der Disziplin hapert's halt; wenn am Abend die Wahl besteht zwischen tippen und schlafen, dann macht mir ein warmes Bett halt oft die grössere Freude als eine kühle Computertastatur.

Also: wenn eine Leserin oder ein Leser auch mal was schreiben möchte: schickt es mir! Ich veröffentliche es gerne hier. Meine E-Mail-Adresse ist hanspi@schmid-werren.ch.

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