Drei schöne Dinge in 15 Minuten 
Heute sah ich in der Stadt -- gegen Abend -- innert fünfzehn Minuten gleich drei schöne Dinge.

Zuerst einen Mann mit einem T-Shirt, auf dem stand: "The mind is like a parachute, it only functions when it is open." (Der Geist ist wie ein Fallschirm: er funktioniert nur, wenn er offen ist.

Danach sah ich im Stadtpark ein Dutzend weiss gekleidete Leute im Kreis stehen, afrikanische Lieder trommelnd und singend, und jeweils zwei davon tanzten im Kreis einen Tanz, der wie ein Karatekampf aussah, bei dem sich die Kämpfer niemals berührten, meist lächelten, und doch irgendwie wussten, wer gewonnen hatte. Das Ganze war so schön und poetisch.

Und zuletzt, im Bus, rief nach einer Haltestelle ein junger Mann: "Halt, da hat jemand was vergessen!", der Busfahrer hielt, der junge Mann rannte mit einem Portemonnaie zwei Frauen nach, gab es ihnen, rannte zurück, und der Bus fuhr weiter.

Und nun frage ich mich natürlich, ob vielleicht immer innert fünfzehn Minuten so viel schönes geschieht und ich meinen Geist einfach nicht genügend weit offen halte? Ich denke, dass das so ist, will aber sicher sein und mache deshalb das Experiment "Geist offen halten" die ganze nächste Woche.


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Der Proktologe 
Manchmal sagt jemand "Das hast Du wieder einmal sehr gut gemacht", aber es ist sofort klar, dass an diesen Worten nichts Positives dran ist! Kennen wir alle.

Aber wo ein Ungleichgewicht ist (positive Worte mit negativer Bedeutung), braucht es jemanden, der in die Gegenrichtung zieht (negative Worte mit positiver Bedeutung), um das Gleichgewicht wieder herzustellen. An meinem Arbeitsplatz haben wir dafür einen Proktologen.

Ein Proktologe -- glauben Sie es oder nicht (Was ist ein Proktologe?) -- sieht überall Arschlöcher. Unser Proktologe sieht sie in den Büros, auf den Gängen, im Kaffeeraum ...

Nun ist aber das wunderbare an ihm, dass er dank seiner Hilfsbereitschaft, seiner Fröhlichkeit, der Stimmmelodie und Körperhaltung zu vielen Mitarbeitern "Arschloch" sagen kann, so dass es gut tut! Also ich freue mich jedes mal auf einen "slang fight" mit ihm (das heisst "Schimpfwörter um die Ohren hauen").

Und ich bin nicht der einzige: er wurde von mehreren Kollegen schon gebeten, ja nicht mit seinen Arschlochtiraden aufzuhören! Vielleicht haben wir unseren Proktologen ja nötig, weil wir alle Akademiker sind und als solche zu wenige Kraftwörter brauchen? (Man vergleiche "Gopferdammi ruum die Schiisziegel us em Wäg Du Dobel" mit "Gopferdami die Gliichig het en Fehler drenn Du Dobel"; das Zweite geht irgendwie nicht so richtig ...)

Auf jeden Fall sind wir alle Dankbar für unseren netten Prokto.


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Rasenornament 
Terry Pratchett, einer meiner Lieblingsautoren, schreibt Bücher über eine Phantasiewelt mit Zauberern, Feen, Trollen, Hexen, und Zwergen. Seine Zwerge sind bergbauende axtschwingende saufende feiernde Bärtige, und die tödlichste Beleidgung für sie ist "Du Rasenornament!".

Ich kann das gut nachvollziehen, ich mag den Anblick dieser farbigen Gestalten in den Gärten nicht sehr. So war auch bis jetzt mein Lieblingskunstwerk mit Gartenzwerg Jean Tinguely's Installation:



Dieser Zwerg rührt auf Knopfdruck rasend schnell das Wasser im Kübel um.

Diese Woche hat mir jedoch eine Pressemitteilung klar gemacht, dass Gartenzwerge nicht Täter sind, die man bestrafen, sondern Opfer, denen man helfen muss. Ein Jurastudent entführte vor sieben Monaten einen Gartenzwerg Namens Murphy und nahm ihn auf seine Weltreise mit, photographierte ihn überall



und setzte ihn kürzlich zu Hause wieder ab, mit einem Photoalbum



und einem Brief, in dem unter anderem etwas stand von "Es gibt mehr im Leben als den Verkehr anzuschauen und sich von Katzen anpinkeln zu lassen."

Tut mir leid, Jeannot, Ihr Kunstwerk verblasst neben dieser liebevollen, freude.li-gen Aktion, welche -- wenn auch nicht einen glücklichen Gartenzwerg -- so zumindest eine glückliche Besitzerin mit einem jetzt sehr besonderen Gartenzwerg und viele lachende Menschen auf der ganzen Welt hinterlassen hat.

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Weg des Herzens 
Kürzlich sass ich zusammen mit einer Frau im Abteil, die ein Buch las: "Freude, der Weg des Herzens" von Bruce Davis. Ich kannte das Buch nicht, aber der Titel sprach mich natürlich an.

Was mir aber zuallererst auffiel an der Frau -- etwa fünfzig, lockige Haare mit rötlichem Schimmer, sehr sonnengebräunt, aber natürlich, mit Sommersprossen überall, Tätowierung auf dem Oberarm, es hätte mich nicht überrascht wenn sie mal ein Hippie gewesen wäre -- was mir auffiel, war das ernste Gesicht.

Ich blickte Ihr von gegenüber verstohlen ins Buch und sah eine Überschrift "Der 5-Punkte-Plan zu ..." und dachte, in Ordnung, wenn man natürlich in 5 Punkten zur Freude finden möchte, ist das natürlich wirklich eine ernste Sache! Das darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Doch dann kam schon mein Zielbahnhof, und alles, was ich noch sagen konnte, war "(lächelnd) Auf Wiedersehen, schönen Abend!" -- "(ernst) Danke gleichfalls." -- "(schelmisch lächelnd) Und ich wünsche Ihnen viel Freude!" Und die Frau blickte mich an und lächelte richtig breit; ich glaube, das mit der Freude wünschen hat sofort gewirkt, sicher besser als das Buch.

Und deshalb empfehle ich eben nicht Bücher mit hochtrabenden Titeln und Fünfpunkteplänen, sondern lieber ganz einfache, liebe Bücher mit sehr schönen Titeln und ohne 0815-Rezepte; in diesem Zusammenhang passen würde "Ich pflanze ein Lächeln" von Thich Nhat Hanh.

P.S. Es ist frech, ein Buch wegen eines Blicks auf die Seiten, erhascht im Zug, zu beurteilen. Ich bin aber vom Zug direkt in die Buchhandlung gegangen, dort stand das Buch im Regal, und der zweite und dritte Blich bestätigte mein Vorurteil: ein Buch über Freude, in dem es sehr wenig zu schmunzeln gibt.


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Neuer Rhythmus 
Ich bin jetzt nach mehr als einem Vierteljahr angelangt an dem Punkt, wo mir nicht mehr jeden Tag etwas Neues einfällt. Ich neige dazu, mich immer wieder an den selben Dingen zu freuen, aber das wollt ihr ja dann nicht jedes Mal wissen.

So ändere ich nun den Rhythmus: ich werde mir jeden Tag etwas in mein Notizbuch schreiben, aber nur noch auf freude.li veröffentlichen, wenn es etwas Besonderes ist. Dann gebe ich mir dafür mehr Mühe ;-)

Also: bleibt tapfer dran, auch wenn viel seltener was kommt!


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