Tropechopf 
Heute kochte ich mir ein Thai-Curry, mit roter Curry-Paste, die ich in meinem Lieblings-Säche.li-Laden bestellt hatte, dem Tropechopf. Die Zubereitung war ganz einfach, es brauchte nur rote Currypaste -- original aus Thailand -- und Kokosmilch aus einer Dose, die ich mal geschenkt bekommen hatte.

Und dann wurde mir klar, warum Buddhistische Mönche aus dieser Region schweigend essen: wehe, man atmet bei einem solchen Gericht durch den Mund ein! Ich weiss nicht, was geschieht, wenn was davon in den falschen Hals gerät, wahrscheinlich endet sowas tödlich (oder der Tod würde zumindest attraktiver werden). Man wird sich auch des Körpers besser bewusst: es ist noch spannend, wo es überall Schweissdrüsen gibt, und wie Arme und Beine surren können. Verrückt, wie sich die Gedanken fokussieren, und wie man sich nur noch auf ein einzges Gesprächsthema konzentrieren kann, wie durch einen Tunnellblick. Auch ist es spannend, welche Farben Haut annehmen kann, sagt meine Frau.

Auf dem Titelbild von Tropechopf bin ich denn auch viermal abgebildet:



Bild 1: erster Bissen.
Bild 2: zweiter Bissen.
Bild 3: nach dem halben Teller, beim Versuch, langsam und sehr bewusst zu atmen.
Bild 4: seit dem Nachtessen.

Denn so verrückt es jetzt tönt: seit diesem Nachtessen fühle ich mich total wohl. Als nächstes versuche ich das gelbe Curry, und dann das braune.



[ kommentieren ] ( 13 mal gelesen. )
Alpaonda 
Im Alpamare in Pfäffikon gibt es ein Wellenbad: riesige Paddel erzeugen in einem speziellen Schwimmbecken meterhohe Wellen. Das Schwimmbecken ist bei den Paddeln tief und wird immer flacher. So verändert sich jede Welle, ist zuvorderst sehr sanft, wird dann steiler und kürzer, und bricht schliesslich, so dass sich dem Besucher im seichten Teil des Beckens eine schäumende Wand entgegenschiebt, mit enormer Wucht: bei der ersten Begegnung mit dieser Wand lag mein Sohn nachher drei Meter weiter hinten auf dem Bauch (was ihn nicht weiter störte, er lachte laut, sprang auf, und rannte in die nächste Welle hinein). Nach zehn Minuten stellten die Wellen wieder ab, und Ruhe kehrte ein, was bedeutete: wir gingen bald woanders hin.

Im Zen-Buddhismus wird gesagt: Unser Geist ist wie das Wasser des Ozeans, unser Körper wie die Wellen. Wie es ohne das Wasser des Ozeans nicht eine Welle gibt, existiert auch kein Tropfen Wasser ohne Welle. Wasser und Wellen sind nicht verschieden; Tun und Nicht-Tun unterscheiden sich nicht. Und dabei beinhaltet "unser Körper" auch alle Emotionen und Gefühle, sowie alle anderen Objekte. Das heisst: alles, was wir sind, sehen, berühren, sind Wellen; dem zu Grunde liegt aber Wasser. So weit so gut, so weit so abstrakt.

Wer nun im Alpamare war, versteht nun aber das, was in diesem Zusammenhang fast immer gesagt wird: die einzelnen Wellen kommen und gehen, aber das Wasser war vorher schon da, und wird nachher noch da sein. (So ist das Wasser ein sehr schönes Bild für alles in uns, was nicht sterben kann, weil es auch nicht geboren wurde.)

Wer im Alpamare war, versteht nun auch dieses, das sehr, sehr selten gesagt wird: dass die Wellen dem Wasser erst Kraft geben. (So ist die Welle ein sehr schönes Bild für alles Lebendige.)

Fortsetzung folgt bestimmt ...


[ kommentieren ]
Schlafplatz 
Unser kleiner schwarzer Kater Dimitri hat entdeckt, dass es in unserem Haus noch einen anderen kleinen schwarzen Kater gibt; er trifft ihn fast zu jeder Zeit im Badezimmer an, und manchmal, aber nur nachts, wenn innen noch Licht brennt, auch im Wohnzimmer, in der Nähe der Balkontür.

Am Anfang war Dimitri skeptisch, was der andere kleine Kater denn will, aber der wollte auch, wie Dimitri, nur aus Distanz schauen und sich dabei putzen. Nun hat sich Dimitri überlegt, "wo der andere kleine Kater schläft, wird wohl ein guter Platz zum schlafen sein," hat sein schönes Katzenkörbchen verlassen und schläft jede Nacht auf dem Badezimmerteppich vor dem Spiegel.


[ kommentieren ]
Was ist schweizerisch? 
Ich war mir bisher nicht bewusst, dass wir Schweizer folgende Eigenschaft haben:

Bevor ich in Zürich lebte, war ich fest davon überzeugt, dass es in der Schweiz besonders langsam zugehe. Was für ein Irrtum. Ich habe es nie vorher erlebt, dass so schnell und effektiv reagiert wird wie hier. In Wahrheit geht die Schweiz mit Zeitrhythmen sehr klug um: Es wird das Tempo herausgenommen, wenn man der Überzeugung ist, dass die Situation unübersichtlich oder ungemütlich werden könnte; und es wird beschleunigt, wenn es für angemessen gehalten wird.
(Michael Hagner, Professor für Wissenschaftsforschung an der ETH Zürich, in der NZZ vom 26./27. Juli 2008)

Mir sind Zeitrhythmen schon lange wichtig, aber erst Herr Hagner sagte mir, dass ich damit typisch schweizerisch sei; ich sah das bisher nicht, denn es gibt durchaus nicht so viel Zeitrhythmik um mich herum, wie ich gut finden würde, und es gibt für meinen Geschmack zu viele Bestrebungen, Zeitrhythmen aufzuheben (z.B. durch die Einführung des Sonntagsverkaufs oder die Abschaffung von bemessener Arbeitszeit für einige Berufsgruppen in manchen Firmen und Universitäten).

Dennoch: Danke, Herr Hagner, dass Sie mithelfen, ein positives Vorurteil über die Schweiz zu schaffen. Ich hoffe, dass dies ein sich selbst erfüllendes Vorurteil wird!




[ kommentieren ]
Es ziemlich gut haben ... 
Ich habe heute dieses Zitat von Edith Wharton gelesen:

There are lots of ways of being miserable, but there's only one way of being comfortable, and that is to stop running round after happiness. If you make up your mind not to be happy there's no reason why you shouldn't have a fairly good time.

Auf Deutsch: Man kann sich auf viele verschiedene Arten schlecht fühlen, aber es gibt nur eine Art, sich wohl zu fühlen, und die ist: aufhören, dem Glück nachzurennen. Wenn Du Dich entschliessen kannst, nicht glücklich zu werden, gibt es keinen Grund mehr, dass Du nicht eine ziemlich gute Zeit haben kannst.

Die alte italienische Zeichentrickserie "Herr Rossi sucht das Glück" lässt grüssen ...



[ kommentieren ] ( 1 mal gelesen. )

<<Erster Eintrag <Zurück | 32 | 33 | 34 | 35 | 36 | 37 | 38 | 39 | 40 | 41 | Weiter> Letzter Eintrag>>