Schokolade als Qualitätskriterium für Wissenschaft? Warum nicht?
Nach dem "Farewell Evening" (auf deutsch: Tschüssli-Abend) ging ich auf einen Tisch im Foyer zu, an dem ein mir bekannter Türkisch-Zypriot sass, der in England forscht. Er begrüsste mich mit den krächzenden Worten "What has it got in it's pocketseeessss?" (Was hat es denn in seinen Tasssscccchhen?") Ein exaktes Zitat von Gollum; nicht aus dem "Herr der Ringe", sondern aus "Der kleine Hobbit".
Er schaute auch ungefähr so drein:

Ich war so verblüfft, dass ich es zuerst nicht schnallte. Aber natürlich kriegte er ein Schoggischtängeli von mir, wenn er schon so lieb fragte.
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Im Wein liegt die Wahrheit: auch deshalb liebe ich den letzten Abend nach einer wissenschaftlichen Konferenz. Nach dem offiziellen Abschlussfest ging ich ins Zimmer, mit meiner Frau chatten, und um elf noch mal runter in den Konferenzbereich. Eigentlich wollte ich noch einem guten Kollegen tschüss sagen, sah aber in einer Seitennische der Hotelräumlichkeiten ein eigenartiges Bild: dort sass ein Professor aus London mit seinem ganzen Doktorandenteam und circa zwei Flaschen Wein pro Person.
Die Organisatoren hatten gesagt, der Wein müsse weg, und das Londoner Team hat sich da nicht lange gesträubt. Der Professor -- zu dem Zeitpunkt hatte er schon ziemlich kleine Augen -- verliess die Party um halb zwölf, und kurz später ging auch die Freundin von einem der Doktoranden ins Zimmer. Der Doktorand wusste, dass er hätte mitgehen sollen, blieb aber bei uns bis zum Ende, obwohl er immer besorgter wirkte und hin und her ging wie ein eingesperrter Tiger.
Obwohl ich nicht gern viel trinke (und es auch nicht getan habe), liebe ich diese feuchtfröhlichen Feiern bis am Morgen um zwei, denn im Wein liegt wirklich die Wahrheit, und Leute sagen dann sehr interessante Dinge, die sie normalerweise so nicht sagen würden; und die Schlussabendfeier zieht sich auch immer sehr lange hin, weil es oft ein Abschied für mindestens ein Jahr ist, den man feiert.
Die Feier war schön und machte den Abschied leichter. Keiner wollte der Erste sein, der geht. Und ich habe nie herausgefunden, wie die Freundin des Doktoranden reagiert hat, als er um zwei Uhr ins Zimmer kam.
Ich verdanke dem Wein, den ein anderer trank, übrigens meine wohl bekannteste wissenschaftliche Veröffentlichung. Vor sehr langer Zeit sagte ein relativ berühmter Forscher nach relativ viel Wein zu mir, er denke, es gebe zwischen VM und CM gar keinen Unterschied (was VM und CM sind, ist hier gar nicht wichtig.) Er argumentierte gekonnt gegen alle meine Einwände. Am nächsten Morgen traf er mich zufällig und entschuldigte sich für den Vorabend, er sei betrunken gewesen, und ich solle den Mist wieder vergessen, den er erzählt hatte. Leider hatte er mich schon überzeugt, ich forschte zwei Jahre in diese Richtung, und machte daraus einen Konferenzvortrag und eine Publikation, die in der Fachwelt einschlugen wie eine Bombe.
Ich habe seinen Beitrag in meiner schriftlichen Arbeit verdankt, den Wein aber natürlich nicht erwähnt. Wissenschaftliche Genauigkeit in Ehren: aber alles muss das Publikum ja nicht unbedingt wissen, oder? Lassen wir den Lesern den Glauben an die präzise, logische, planende Wissenschaft
Weiter geht die Serie mit einem der drei folgenden Themen:
a) Was meinte ich mit "in Paris -- nicht in Paris"?
b) Was hat ein zypriotischer Türke mit Gollum aus "Herr der Ringe" zu tun?
c) Wo schlief Randall in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch?
d) Gibt es in Frankreich wirklich fritierte Füdli?
Der erste Kommentar, der a), b), c) oder d) erwähnt, entscheidet, wie's weiter geht.
[ 2 Kommentare ] ( 10 mal gelesen. )
Wie ich mal im Beitrag über Herrn Akbar Zeb schrieb, hat man manchmal etwas Pech mit seinem Namen, weil er in einer anderen Sprache was Schlimmes bedeutet.
Ein neues Beispiel: der afroamerikanische Rapper Kanye West. Wisst ihr was Kanye auf Suaheli heisst? "Scheissen gehen." Eine üble Sache, denn in den Bantu-Sprachen heisst es "der Einmalige" oder "der Gesandte".
Offenbar ist dies für die Fans von Kanye West so übel, dass sie auf dem Internet die Behauptung verbreiten, "the one" sei auch auf Suaheli die Bedeutung von Kanye; einer Behauptung, der wahrscheinlich schon ein nennenswerter Anteil der Tanzanianischen Bevölkerung (dort spricht man Suaheli) mit Internetanschluss widersprochen hat.
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Frölein, Du warst zuerst mit Deinem Kommentar!
Einige Wissenschaftler bleiben weiterhin lernfähig, auch wenn sie schon selber was zu sagen haben, und so werden am Sonntag, bevor die Konferenz beginnt, jeweils Kurse angeboten. Ich besuchte einen ganztägigen Kurs bei Gerd, Ludwig und Piet; das Mittagessen war im Kursbeitrag inbegriffen.
Beim Restaurant machten junge Nachwuchswissenschaftler die Eingangskontrolle ... und liessen Gerd und Ludwig nicht rein! "Ihr seid für keinen Kurs angemeldet!" sagten sie, und alle Beteuerungen, dass dies die Kursleiter seien, und dass sich Kursleiter ja nicht für den eigenen Kurs anmelden müssen, nützten nichts. Gerd und Ludwig blieben draussen. Sie fanden zum Glück recht bald irgend ein hohes Tier aus der Konferenzorganisation, welches ihnen gnädigerweise Zutritt zum Restaurant gewährte. Gerd nahm's locker und liess sich die Freude am Tag nicht verderben: Essen gut, alles gut!
Weiter geht die Serie mit einem der drei folgenden Themen:
a) Was meinte ich mit "in Paris -- nicht in Paris"?
b) Wie viel Wein kann ein Forschungsteam trinken?
c) Wo schlief Randall in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch?
d) Gibt es in Frankreich wirklich fritierte Füdli?
Der erste Kommentar, der a), b), c) oder d) erwähnt, entscheidet, wie's weiter geht
[ 1 Kommentar ] ( 6 mal gelesen. )
Eine 20 Minuten lange Kaffeepause für 2000 Leute organisieren ist wohl keine einfache Sache. Aufräumen nach der Pause auch nicht, vor allem auch weil viele Wissenschaftler manchmal lieber das interessante Pausengespräch weiterführen als einen Fachvortrag hören zu gehen, was dazu führt, dass beim Aufräumen immer noch viele Leute im Weg sind.
In der Hektik stellte ein Kellner ein riesiges Tablett mit wohl 100 Gläsern auf einen etwas zu kleinen Tisch -- das Tablett stand leicht schief -- und ging davon. Der nächste Kellner stellte sein Tablett auf das erste drauf.
Nun gibt es zwischen Tablettkunststoff und Glas nur ganz wenig Haftreibung. Ich stand also da, ins Gespräch vertieft, und sah vier Meter entfernt von mir wie das obere Tablett unmerklich rutschte. Kann das sein? Ich sah genauer hin, das Tablett bewegte sich nicht. Ah, das musste eine optische Täuschung gewesen sein.
Dann rutschte das Tablett wieder ganz langsam ein Schrittchen weiter und hielt wieder an. Eine Kellnerin sah in die Richtung ... und wieder weg. Ah? Das ist harmloses Rutschen? Interessant.
Mein Gespräch ging weiter, als das Tablett zum dritten Mal anrutschte, und diesmal nicht gleich wieder stoppte. Zuerst wartete ich fasziniert darauf (gegen alle Wahrscheinlichkeit) dass das Tablett wieder anhält. Als ich realisierte, dass es nun nicht mehr anhalten würde, fragte ich mich kurz: kann ich ein schweres Tablett mit 100 Gläsern auffangen? Und: wenn ich nun hinrenne, und ich schaffe es nicht mehr, sieht es dann so aus als hätte ich es runtergeworfen?
Nun, es hätte wohl sowieso nicht mehr gereicht. Klirrrrrrrrrrrr. 100 Gläser kaputt auf dem Teppich. Die Kellnerin ging mit Schulterzucken hin und las seelenruhig die Scherben auf.
So ist auch dies typisch Woissenschaftler: wir verschieben oft Entscheidungen, bis sie uns vom Schicksal abgenommen werden.
Weiter geht die Serie mit einem der drei folgenden Themen:
a) Was meinte ich mit "in Paris -- nicht in Paris"?
b) Wie viel Wein kann ein Forschungsteam trinken?
c) Wo schlief Randall in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch?
d) Weshalb musste Gerd beinahe Hunger leiden?
Der erste Kommentar, der a), b), c) oder d) erwähnt, entscheidet, wie's weiter geht.
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