Spielregeln 
Heute machte ich wieder einmal mit einer Gruppe Leute eine Übung zur Konfliktprävention. Wir spielten Farbenschach. Das ist ganz einfach: zwei Personen, je mit einer Kreide, zeichnen abwechslungsweise und schweigend auf ein grosses Blatt Papier. Der Leiter (ich) bricht die Runde ab, wenn jemand etwas Konkretes (ein Haus, einen Smiley, eine Zahl ...) zeichnet. Also nur drei Regeln: abwechselnd -- schweigend -- abstrakt. Danach wird das Spiel in der Gruppe besprochen.

Was dann aber geschieht, spätestens beim zweiten Spiel, ist, dass sich die Spieler an zusätzliche ungeschriebene Regeln zu halten beginnen. Bald darauf fangen Spieler an, diese ungeschriebenen Regeln wieder zu brechen. Das fällt dann den Zuschauern fast sofort auf, und kommt nicht immer gut an. So sagte heute ein Zuschauer: "Spieler A hat fast gleich am Anfang die Regel verletzt, dass man jedes Mal, wenn man dran ist, nur eine Figur zeichnen darf." Sagte ein anderer: "War die Regel nicht, dass man alles an einem Stück zeichnen muss?" Sagte Spieler A: "Ja, ich gebe zu, ich habe diese Regel absichtlich gebrochen, um zu schauen, wie Spieler B reagiert." Sagte ich: "Es gab überhaupt keine solche oder auch nur ähnliche Regel!" Das löste allgemeines Erstaunen aus, aber man erinnerte sich meiner einleitenden Worte und glaubte mir, dass in einem Konflikt die ungeschriebenen, selbstgewachsenen Regeln meist mehr Zoff verursachen als die geschriebenen, gemeinsam festgelegten.

Es scheint, dass wir Menschen einfach Regeln brauchen. Hat es zu wenig, schaffen wir. Aber weshalb? Ich glaube, dass es nur zum Teil deshalb ist, damit man im Chaos der Wirklichkeit etwas mehr Halt hat. Zum anderen Teil schafft man sie aber, damit man die Möglichkeit hat, sie wieder zu brechen, denn -- und das war heute unübersehbar -- Regeln brechen kann ganz schön viel Spass machen.

Also warum nicht ein paar Regeln schaffen, deren Bruch niemandem wirklich weh tut?

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Taufe bei Lord und Lady 
Die Taufe heute fand im Park der Villa Hammer bei Cham statt, draussen, im Schatten eines uralten, riesigen Baumes. Ich glaube, ich habe in der Schweiz noch nie einen so prächtigen privaten Park gesehen, es war alles da von den präzise geschnittenen Bäumen über die wunderschönen Blumenbeete bis zu dem stufenweise abfallend gebauten Bach mit Wasserpflanzen, welcher oberhalb der Villa den Hang hinunter floss; da war eine grosse Rasenfläche, ein eigenes Schwimmbad, Stallungen mit einem Glockentürmchen. Der WC-Raum -- man durfte in der Villa -- sah aus wie ein gut gepflegtes Museumszimmer.

Das Wetter war super, der Apéro für nach dem Taufgottesdienst stand schon bereit, es hatte einen Spielplatz für Kinder, denen der Gottesdienst langweilig wurde, und der junge Pfarrer sah nicht nur gut aus, sondern war auch höchst motiviert. Ein Jugendblasorchester spielte ganzt gut.

Unter diesen Umständen war es mir nicht mal mehr wichtig, was der Pfarrer eigentlich sagte. Aber das andächtige, ruhige Lächeln meines Göttibubs, als er die brennende Taufkerze sah, vergesse ich nicht mehr.


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Schwimmringethnologie 
Mir war schon immer klar, dass die Amerikaner unter den Englischsprachigen ein spezielles Völkchen sind. Aber dass sogar ein aufblasbarer Kinderschwimmring darüber Bescheid weiss, hatte ich nicht erwartet. Tut er aber. Auf ihm hat es drei englische Texte.

Für Grossbritannien ist die Empfehlung (auf Deutsch übersetzt):

Warnung! Nur im Wasser verwenden, das für das Kind nicht zu tief ist, und nur unter Aufsicht verwenden.

So steht es auch auf Deutsch. Für Australien ist die Warnung kürzer:

Schwimmspielzeugwarnung: Nur unter kompetenter Aufsicht verwenden.

Also: Wassertiefe und Krokodilbesiedelung sind offenbar egal, solange Crocodile Dundee auch dort ist. Meinetwegen. Aber nun der Text für die USA:

Vorsicht! Dies ist kein Lebensrettungsgerät. Kind nicht unbeaufsichtigt lassen, wenn es dies benutzt. Niemals in den Ring hineinspringen lassen. Nie im Wasser oder nahe am Wasser liegen lassen, wenn er nicht benutzt wird. Nur in Wasser verwenden. Diese Regeln immer befolgen, um Ertrinken, Querschnittlähmung und andere schwere Verletzungen zu vermeiden.

Da getraue ich ja gar nicht mehr, das Kind in die Nähe dieses Teufelsgeräts zu lassen!



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Wonderful World 
Mich freut sehr, dass meine Frau Alexandra auch einen Blog geöffnet hat. Sie will nicht so regelmässig schreiben, dafür längere Texte. Und ich freue mich schon jetzt auf jeden einzelnen davon!

Und hier ist ihr Blog: Wonderful World.

Diese zwei Arten, einen Blog zu führen, passt übrigens ausgezeichnet zu unseren zwei Kommunikationsstilen, die da, übertrieben gesagt, sind: "Selig, wer nichts zu sagen hat und trotzdem schweigt" (sie) und "Wie soll ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage?" (ich).


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Kühler Wind 
Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal mit so viel Genuss friere wie heute morgen! Ich glaube, ich hatte die Hitze der letzten Tage langsam satt.

Ich frage mich auch, ob ich -- zum Beispiel nach zu viel Essen oder Trinken -- auch mit Genuss hungrig oder durstig sein könnte; vielleicht mit Genuss Kopfschmerzen haben, oder Bauchweh, oder ein Jucken? Aber nein, das geht alles irgendwie nicht, nur frieren kann ich geniessen.

Schon damals, als ich häufig in der Sauna war, genoss ich nach dem Saunagang jeweils das Tauchen ins kalte Wasser. Vielleicht ist das sowas ähnliches wie Glacé essen, einfach für den ganzen Körper?

Auf jeden Fall ist es, wie Glacé essen, sehr schön, wenn ich es nicht zu oft oder zu lange tue.


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