Ich kann dasselbe jetzt mit Bauklötzchen machen: kleine Klötzchentürme, die mein Baby gleich wieder niederreisst, ich baue, er reisst, ich baue, er reisst. Ob das was symbolisierte, weiss ich nicht. Es ist mir auch gleich, denn nach einer halben Stunde Chlotzala ging es mir auf jeden Fall sehr gut!
[ kommentieren ]
Frage des Tages: wenn man zu viele Paranüsse isst, wird man dann Paranoxid?
[ kommentieren ]
Sonntag Morgen, fünf Uhr dreissig: unser Baby will nicht mehr schlafen. Ich stehe auf mit ihm, kuschle und lache, lasse es im Laufgitter spielen, trinke Tee, gebe ihm ein Brot zum knabbern, lese im "Schwarzen Schwan", spreche mit meinem Zehnjährigen, der auch aufwacht, streichle die Katze, esse Bröcken (im Kaffee aufgeweichtes altes Brot -- mjam -- ein Essen, das ich als kleines Kind immer beim Grossvater bekam), schaue zu, wie der Kleine vom Hochstuhl hinunter auf den Grossen schaut, der einen riesigen Dinosaurier zeichnet und ausmalt, mit einem Wort: ein schöner Sonntagmorgen, etwas früh, völlig ungeplant, aber schön.
Nun steht ja im Buch "Der schwarze Schwan" von Nassim Nicholas Taleb -- ein sehr spannendes, wenn auch langatmiges Buch -- dass unser Leben bestimmt wird von Dingen, die wir nicht voraussehen konnten, und dass es der verhängnisvolle Fehler der meisten Leute unserer Zeit sei, dass sie glauben, alles Wesentliche, das geschieht, aus dem Vergangenen voraussagen oder erklären zu können. Taleb sagt, dass wir viel weniger erklären können, als wir glauben. Ich bin gespannt, was Taleb uns raten wird, wie wir uns verhalten sollen. Ich habe erst einen Drittel des Buches gelesen, werde es Euch aber dann sicher mitteilen, falls es freude.li-g ist.
Auf jeden Fall hat Taleb recht, sagt meine Erfahrung. Ich habe es schon lange aufgegeben, die Welt als vollständig voraussehbar anzusehen, und lasse kommen, was kommt, lasse es mir zufallen (es ist ja Zufall), lasse mich davon überraschen, und versuche es mit freude.li zu geniessen, was mir oft, aber nicht immer, gelingt.
Die schönste Beschreibung dieser Haltung habe ich ausgerechnet in einem lustigen Roman von Terry Pratchett gefunden, dem "Zeitdieb", meinem Lieblingsroman von ihm. Das ist einer seiner Scheibenwelt-Romane, die auf einer Welt spielen, wie wir sie uns früher vorgestellt haben: eine Scheibe, mit einem Rand-Ozean, der wie ein riesiger Wasserfall über den Rand fällt. Und dort gibt es hoch oben Klöster.
Wenn jemand in den abgelegenen, von Gongschlägen und Yetis heimgesuchten Tälern unweit der Scheibenweltmitte nach Erleuchtung sucht, so stehen die ersten Worte, die der Betreffende liest, in Das Leben des ewig überrschten Wen.
Und die erste Frage des Lesers lautet: "Warum war er ewig überrascht?"
Und dann erfährt er: "Wen dachte über die Natur der Zeit nach und begriff, dass das Universum von Augenblick zu Augenblick neu erschaffen wir. Deshalb, so wurde ihm klar, gibt es in Wahrheit gar keine Vergangenheit, sondern nur die Erinnerung daran. Man zwinkert, und die Welt, die man danach sieht, existierte noch nicht, als die Augen geschlossen waren. Deshalb, so schlussfolgerte Wen, kann es für das Bewusstsein nur einen angemessenen Zustand geben: Überraschung. Und der einzige angemessene Zustand für das Herz ist Freude. Den Himmel, den man jetzt sieht, hat man noch nie zuvor gesehen. Der perfekte Moment ist jetzt. Freu Dich darüber.
Ich freue mich wirklich jedes Mal, wenn ich das lese, obwohl die Erklärung dafür, weshalb man überrascht und erfreut sein soll, vielleicht wenig mit unserer Realität zu tun hat. Aber es ist eine gute Geschichte, die etwas Wesentliches in uns berührt, nicht wahr? Wer braucht da schon realitätsnahe Erklärungen? Die gibt es ja gemäss Taleb sowieso nicht.
[ kommentieren ]
Heute war ich bei Thomi Inderbinen, um die Posaunen auszuprobieren, die er und sein Team bauen. Ausprobieren heisst, die zwei Varianten mit verschieden grossem Schallbecher je eine gute Viertelstunde zu spielen.
Zuerst die eine, mit dem etwas kleineren Schallbecher: wie erwartet fühlt sie sich etwas ungewohnt an, ich muss die Töne, muss die Klänge etwas suchen, aber ich merke sofort, dass diese Posaune besser klingt als mein eigenes (recht gutes) Instrument. Man muss sich ja an neue Instrumente erst gewöhnen, sagt man, aber ich merke, es wird gar nicht schwierig sein, mich an die hier zu gewöhnen. Ich staune, und freue mich, dass ich mich zum Kauf einer solchen Posaune entschlossen habe.
Ich nehme die andere, die mit dem etwas grösseren Schallbecher, und dann geschieht etwas völlig Unerwartetes: diese Posaune schenkt mir jeden Ton, den ich haben will, schenkt mir den Klang, wie er in mir selbst schwebt; sie scheint die Energie direkt aus der Erde zu holen, durch mich hindurch, es ist unfassbar leicht, sie zu spielen; sie ist mir vertrauter als meine eigene Posaune, die ich seit 14 Jahren spiele; und nach kurzer Zeit merke ich, dass ich beim Spielen weine.
Es gibt kaum Worte für das überwältigende Gefühl, das mich packt, am ehesten noch die dritte Zeile aus dem folgenden Gedicht von Rainer Maria Rilke:
Es neigt sich die Stunde, und rührt mich an
mit klarem, metallenem Schlag
mir zittern die Sinne, ich spüre: ich kann!
Und ich fasse den plastischen Tag.
Und nun warte ich darauf, bis meine Posaune für mich gebaut ist; das wird dauern, denn wie Du Dir vorstellen kannst, nachdem Du dies gelesen hast, ist Thomis Warteliste lang.
[ kommentieren ]
Ich sehe in letzter Zeit ziemlich häufig ein neues Modewort: "Stilikone". Gemeint ist wohl eine Frau, die so gut gekleidet ist, dass sie für alle Frauen zum Vorbild werden soll, zumindest gemäss desjenigen Druckerzeugnisses, welches das Wort "Stilikone" bemüht.
Leider sehe ich nie zuerst "Stilikone"; aus Distanz lese ich immer "Silikone", weil in der Mikroelektronik das wichtigste Material Silizium ist, auf Englisch: Silicon. Dann muss ich jeweils lachen, weil ich mir durchaus vorstellen kann, dass bei Stilikonen manchmal Silikon im Stil ... sorry ... im Spiel sein kann.
Google bestätigt da meinen automatischen Verleser: Stilikone gibt 77'000 Treffer, Silikone 32'000'000, letzteres ist also einfach offensichtlicher. Aber Google schmunzelt nicht jedesmal, wenn eine Stilikone daherkommt; ich jedes Mal: mir versüsst das Wort den Tag!
P.S. Es ist ja jedem und jeder seine und ihre eigene Sache und Sächin, was Silikon und Stil angeht, aber mir ist in dieser Beziehung meine Stillikone noch immer am liebsten.
[ kommentieren ]

Kalender



