Hausnummern I 
Heute Nachmittag stach mir folgendes Schild in die Augen:

Hausnummern
20 22 24 26 28 30

Ja, dachte ich, das sind wirklich Hausnummern! Schön, dass es wieder einmal gesagt wurde!


P.S. für alle jetzt verwirrten Leserinnen und Leser: auf dem Schild könnte auch stehen:

Rainstrasse Nr. 20, 22, 24, 26, 28, 30


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Spielerische Freude 
Heute habe ich in einem Buch von Marshall Rosenberg dies gelesen:

Tue nichts, was Du nicht aus spielerischer Freude heraus tust!

Welch ein schöner Satz! Als Bild sieht dieser Satz so aus:


Ich schaue dieses Bild sehr gern an, denn wann immer ich etwas so tue, wie dieses Mädchen das Stück Eis betrachtet, dann gelingt es mir auch. Immer. Was wohl auch damit zu tun hat: wenn ich auf diese Weise etwas tue, ist es bereits gelungen, weil ich es so getan habe, egal, was dabei herauskommt.

Und jetzt kommt der Härtetest: heute Abend versuch ich mal, mit spielerischer Freude den Müll zu sammeln und an die Strasse zu stellen.

;-)


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Aufwand für nichts 
Gestern war der 250te Geburtstag des schottischen Nationaldichters Robert Burns, und heute habe ich ihn mit den Bürokollegen gefeiert, mit einem Apéro mit Haggis -- dem Schottischen Nationalgericht -- Whisky, Gedichten und Musik, und weil ich keinen Dudelsack habe, hab ich halt meine Posaune mitgenommen:



Der Aufwand für diese zwanzig Minuten war riesig: unsere Freundin aus Schottland besorgte uns (vegetarischen) Haggis, ich transportierte den Haggis, den Kilt (Schottenrock) mit allem Zubehör ins Büro, zog ihn an (was nicht eine kurze Sache ist), kochte Haggis und Kartoffelstock, las Burns' Haggisgedicht vor, mein Kollege brachte die Gitarre mit, damit wir Auld Lang Syne singen konnten (das Lied ist auch von Burns), und dann aufräumen, putzen, abwaschen ... eben ein riesiger Aufwand für nichts Wichtiges.

Und genau das war eben das Schöne: wenn ich nicht muss, wenn ich damit keinen Zweck verfolge, dann treibe ich solchen Aufwand leichten Herzens. Und wenn ich dann wieder Aufwand treiben muss für etwas sogenannt Wichtiges, denke ich an das Zwecklose zurück und mein Herz wird auch etwas leichter.


Ja, und ausserdem hat die Schottenparty heute jede Menge Spass gemacht.


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Mieses Karma 
Ich habe kürzlich das schräg-verrückt-lustige Buch "Mieses Karma" von David Safier fertiggelesen: ein herzliches, lustiges Buch! Ich musste einfach mitlachen, wie die fiese und rücksichtslose Hauptfigur Kim starb, als Ameise wiedergeboren wurde und sich dann -- begleitet von einem fetten Buddha -- durch Sammeln von gutem Karma Wiedergeburt für Wiedergeburt wieder zum Menschen hocharbeitete und am Ende ihren Ehemann und ihre Tochter zurückgewann.

Zwei Dinge haben mich besonders gefreut an diesem Buch: zum Einen fragt Kim den dicken Buddha, ob er für alle Leute komme. Nein, antwortet dieser, für die Christen komme Jesus, für die Islami komme Mohammed, sogar Odin bringe noch ganz wenige Leute nach Walhalla. Warum er dann für sie komme, wollte Kim wissen, sie sei doch nie Buddhistin gewesen. Worauf der Buddha antwortete: ich bin auch für alle Ungläubigen zuständig, weil ich der einzige bin, der Ungläubige nicht bestraft.

Und das Zweite -- und hier bitte nicht weiterlesen, wenn man das Ende nicht wissen will:

Am Ende stirbt Kim wieder fast, und der Buddha sagt: dieses Mal gehst Du ins Nirvana ein. Und Kim ... erwacht wieder im Körper, in dem sie das letzte Mal wiedergeboren wurde, kann endlich ihrer kleinenTochter sagen "Ja, ich bin Deine Mama", und findet heraus, dass sie nun endlich vollständig glücklich und mit sich im Frieden ist.

Kitschig? Das Nirvana kann sicher nicht so einfach sein? Da kommen mir die Worte des indischen Philosophen Nagarjuna in den Sinn:

Das normale Leben und das Nirvana sind nicht zwei verschiedene Dinge; zwischen dem normalen Leben und dem Nirvana gibt es keinen Unterschied, nicht den kleinsten Unterschied, nicht den subtilsten Unterschied!

Also hat Safier entweder verrückt und kitschverliebt geschrieben, oder sehr, sehr weise. Allerdings: wäre zwischen kitschig-verrückt und weise überhaupt ein Unterschied feststellbar?

Auf jeden Fall war "Mieses Karma" eine sehr freudige Lektüre. Ich hab mir gleich "Jesus liebt mich" vom selben Autor bestellt!

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Babyphotos und Monster 
Gestern war das Geburtstagsfest meines Zehnjährigen; ein kleines Fest, sie waren nur zu viert, und sie machten zusammen einen Spielnachmittag.

An diesem Nachmittag sah ich die Zehnjährigen in einem neuen Licht: dieselben Jungen, die sonst Kampfspiele machen, blutrünstige Geschichten schreiben und Monsterbilder malen, Waffen basteln; dieselben Jungen spielten so herzig mit unserem Baby und wollten zu viert das Fotoalbum des Babys anschauen, zwanzig Minuten lang. Sie sprachen sogar über Plazentas! War das Baby nicht in der Nähe, ertönte bald der Schrei "Wo ist unser Maskottchen?"

Eigentlich weiss ich ja, dass das Schreckliche und das Schöne nur zwei Seiten der selben Münze sind, aber ich staune doch immer wieder, wenn ich es erleben darf: Bluttriefende-Monster-malende Baby-schätzelnde Jungs: grossartig!

Ich nehme mir deshalb vor, auf die nächste Geschichte mit abgemurksten Feinden mit offenerem Herzen zu reagieren. Zwei Seiten der selben Münze: da kann ich nicht nur die eine annehmen.


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